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Forschungsschwerpunkte der Arbeitsgruppe Humangeographie und ihre Didaktik

Deutsch lernen mit Geographie

Lehrer*innen in integrativen Regel- und internationalen Vorbereitungsklassen stehen vor immensen sprachlichen und inhaltlichen Herausforderungen. Zum einen sollen die deutschen Sprachkompetenzen ausgebaut werden und zum zweiten soll geographisches Lernen stattfinden. Der Geographieunterricht arbeitet visuell, handlungsorientiert und mit diskontinuierlichen Texten wie Karten, wodurch er besonders für die Integration von sprachlichem und fachlichem Lernen geeignet ist. In dem Projekt „Deutsch lernen mit Geographie“ von Alexandra Budke, Frank Schäbitz und Michael Morawski werden Materialen für den multilingualen Geographieunterricht entwickelt und evaluiert. Mehr Information hier.

 

Wandel im Geographieunterricht

Wie und warum verändern sich räumliche Strukturen? Die Frage nach dem Wandel durchzieht alle geographischen Themenbereiche, wie z.B. demographischer Wandel, Klimawandel und Strukturwandel, die sowohl wesentliche Inhalte der Fachwissenschaft als auch des Geographieunterrichts darstellen. Wandel ist jedoch nicht nur als ein relevantes Thema, sondern darüber hinaus auch als ein Metakonzept für das Verständnis von räumlichen Zusammenhängen zu bezeichnen. Im Rahmen des Dissertationsprojekts von Kristina Schulz werden vergleichende Betrachtungen zwischen wissenschaftstheoretischen Positionen sowie alltagsweltlichen SchülerInnenvorstellungen über raumbezogenen Wandel vorgenommen.

 

Sprachsensibler Geographieunterricht

Zum Verständnis geographischer Inhalte sind vielfältige sprachliche Kompetenzen notwendig: Geographische Fragestellungen müssen formuliert werden, Geomedien müssen entschlüsselt werden, um gesellschaftliche Diskurse zu dekonstruieren, Fachsprache sollte angewendet werden, Medien sollten reflexiv und kritisch beurteilt werden und geographische Argumentationen sollten verfasst werden. Die notwendigen sprachlichen Kompetenzen können in einem sprachsensiblen Geographieunterricht erworben werden, welcher die fachspezifischen sprachlichen Anforderungen für das Verständnis und zur Beantwortung geographischer Fragestellungen im Unterricht, ausgehend von den Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler berücksichtigt.

Im Rahmen der Exzellenzinitiative werden folgende Projekte gefördert:

„Linguistic Awareness in Teacher Education Based on Geographical Media.”

Alexandra Budke, Miriam Kuckuck und Magdalena Michalak (Deutschdidaktik) möchten in diesem Forschungsprojekt die fachsprachlichen Fähigkeiten der Lehramtsstudierenden aufdecken und Wege für eine Professionalisierung in der Lehrerausbildung aufzeigen. Erst wenn die angehenden Lehrkräfte selber über fachsprachliche Fähigkeiten verfügen, besteht die Möglichkeit diese produktiv im Unterricht einzusetzen.

Die Studierenden sollen dazu befähigt werden, sprachliche Konstruktionen zu erkennen, zu dekonstruieren und ihre symbolhafte Bedeutung zu entschlüsseln. Die Einübung und Verwendung der Fach-, Symbol- und Bildsprache in Geomedien steht dabei an erster Stelle.

Zur Website des UoC-Forum

Von und mit Sprache lernen - Förderstrategien für den sprachsensiblen Geographieunterricht durch eine Analyse des bilingualen Geographieunterrichts"

Um den (kommunikativen) Herausforderungen im Erdkundeunterricht zu begegnen, will das Forschungsprojekt „Von und mit Sprache lernen" nach bestehenden, geeigneten Strategien zur Sprachförderung im bilingualen Geographieunterricht suchen und diese auf den regulären Erdkundeunterrichts übertragen. Bisher wurden Konzepte zur Sprachentwicklung aus dem bilingualen Geographieunterricht noch nicht auf die Förderung der bildungssprachlichen Kompetenz von SchülerInnen im regulären Fachunterricht bezogen. Es soll in diesem Projekt folglich darum herausgefunden werden, inwieweit es bereits ein bildungssprachliches, geographisches Bewusstsein von Lehrkräften und bereits bestehende Kompetenzen zur (Fach)Sprachförderung im bilingualen Geographieunterricht gibt (Diagnose). Zudem soll herausgefunden werden, inwiefern wir diese nutzen könnten, um Bildungssprache im regulären Unterricht nachhaltig und integrierend zu fördern. Auf dieser Grundlage sollen Strategien zur Unterrichtsimplementation erarbeitet werden. Diese sollen helfen, die bildungssprachlichen Kommunikationskompetenzen u.a. für Kinder mit sprachlichem Förderbedarf und/oder Migrationshintergrund nachhaltig zu verbessern.

Das Dissertationsprojekt wird von Michael Morawski bearbeitet.

 

Vergleichen und Argumentieren im Geographieunterricht zum Thema „Migration“

Im Rahmen des durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft geförderten Sonderforschungsbereichs 806 „Our way to Europe – Culture-Environment Interaction and Human Mobility in the Late Quaternary“ wurde bislang untersucht, inwieweit Argumentations- und Problemlösekompetenzen im Geographieunterricht bei der Behandlung von Mensch-Umwelt Interaktionen gefördert werden können. Die Untersuchung mündete in der Dissertation von Öffnet externen Link in neuem FensterSabrina Dittrich.

Daran anschließend werden Öffnet internen Link im aktuellen FensterAlexandra Budke, Öffnet internen Link im aktuellen FensterFrank Schäbitz und Öffnet internen Link im aktuellen FensterHolger Wilcke untersuchen, welche Rolle Vergleiche im Geographieunterricht spielen. Davon ausgehend, dass das Vergleichen Schüler*innen dabei unterstützt komplexe Sachverhalte zu strukturieren und einzuordnen, zwischen Spezifischem und Allgemeinem zu differenzieren und Wissen in andere Kontexte zu transferieren, wird ein theoretisches Konzept des Vergleichens für den Geographieunterricht entworfen. Darauf aufbauend werden zum Thema „Migration“ didaktische Materialen entwickelt, im Geographieunterricht erprobt und evaluiert. Die empirische Unterrichtsforschung wird dabei den Fragen nachgehen, wie Schüler*innen vergleichen, was ihnen dabei Probleme bereitet und welche Effekte Vergleiche auf den Lernprozess von ihnen haben (können).

Zur Website des Öffnet externen Link in neuem FensterSonderforschungsbereichs 806

Einsatz von virtuellen Exkursionen im Geographieunterricht

In Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Köln (Arbeitsgruppe von Christian Fischer) entwickeln Alexandra Budke und Frederik von Reumont eine virtuelle Exkursion zur Wasserproblematik in Köln, welche im Geographieunterricht einsetzbar ist und die geographischen Kompetenzen der SchülerInnen erweitert. Am Beispiel der Wasserproblematik in Köln können die SchülerInnen exemplarisch die Themenbereiche Wasserqualität, Hochwasserproblematik, Ufernutzung und das ökologisches Gewässermanagement behandeln. Das didaktische Konzept dient als Grundlage für ein Interaktionsdesign, das mit aktuellen Methoden aus dem Gebiet der Mensch-Computer-Interaktion (z.B. Usage-centered Design nach Constantine und Lockwood) arbeitet. Das Projekt wurde von der RheinEnergie Stiftung gefördert.

Zur Rheinexkursion: www.rheinexkursion.de

 

Argumentation im Geographieunterricht

Nach den Vorgaben der Nationalen Bildungsstandards für das Fach Geographie sollen Kommunikations- und Argumentationskompetenzen im Geographieunterricht vermittelt werden. Dadurch kann u. a. das Verständnis für komplexe geographische Zusammenhänge und die individuelle Meinungsbildung der SchülerInnen verstärkt werden. Die Arbeitsgruppe von Frau Prof. Dr. Budke beschäftigt sich daher mit der theoretischen Modellierung und empirischen Erfassung von Kommunikations- und Argumentationskompetenzen. Aktuell werden zu diesem Schwerpunkt drei Untersuchungen durchgeführt. Im ersten Projekt wird die multiperspektivische Erschließung von räumlichen Konflikten durch Argumentationen untersucht (abgeschlossen seit Februar 2014 von Dr. Miriam Kuckuck). Ein zweites geht der Frage nach, inwiefern Alltagsvorstellungen von SchülerInnen  zum Thema "illegale Migration" durch Argumentationen erweitert und verändert werden können (abgeschlossen seit Juli 2015 von Andreas Hoogen). Im dritten Projekt wird der Einfluss von Argumentationen im Geographieunterricht auf das Verständnis der Wasserproblematik in den Megacitys Mumbai und Mexiko City im interkulturellen Vergleich erhoben (Beatrice Müller und Stephanie Leder). In einem vierten Projekt untersucht Veit Maier inwieweit im Geographieunterricht argumentativ Zukunft geplant wird.

 

Interkulturelles Lernen

Während man sich über die übergeordneten Ziele des interkulturellen Lernens relativ einig ist, sind die theoretischen Grundlagen und didaktischen Konzepte innerhalb der Geographiedidaktik umstritten. Die existierenden theoretischen Konzeptionalisierungen und ihre didaktischen Umsetzungen für den Geographieunterricht haben erhebliche Schwächen. Um die Defizite aufzufangen, wird die Neuformulierung des Interkulturellen Lernens für den Geographieunterricht auf der Grundlage des Konstruktivismus und der Diskussionen im Rahmen der „Neuen Kulturgeographie“ angestrebt. An diesen Ausgangspunkt knüpft das innovative Konzept des Transkulturellen Lernens im Geographieunterricht an, das Ronja Ege in ihrer Dissertation untersucht. Am Beispiel von Hip-Hop sollen die vielfältigen Lernpotenziale transkultureller Phänomene aufgezeigt werden, die SchülerInnen weltweit die Möglichkeit bieten, globalisierte Raumproduktion zu reflektieren und in ein weltweit gültiges, globales Raumverständnis zu verwandeln.

Desweiteren interessiert sich die Arbeitsgruppe für die empirische Untersuchung von Prozessen der Einstellungsbildung über “andere Kulturen” im Geographieunterricht. In diesem Bereich wird auch innovatives Unterrichtsmaterial entwickelt und getestet.

 

Hochqualifizierte Migranten in der städtischen Gesellschaft

In Deutschland haben Migranten mit hoher Qualifikation eine wachsende Bedeutung. Dies ist zum einen bedingt im Mangel an Fachkräften im Rahmen des demographischen Wandels, zum anderen in einer wachsenden Nachfrage nach ausländischen Führungskräften und Experten als Folge einer verstärkten Globalisierung der Wirtschaft.

PD Dr. Günther Weiss ist Mitglied einer Arbeitsgruppe, die sich aus GeographInnen der Universitäten Aachen, Bonn und Köln zusammensetzt. Deren Ziel ist es, herauszufinden, wie sich hochqualifizierte Migranten in die Stadtgesellschaft ihres Wohn- und Arbeitsortes eingliedern. In einer ersten Studie wurden unter diesem Aspekt ausländische Beschäftigte an den Universitäten der drei beteiligten Standorte untersucht.

 

Politische Bildung im Geographieunterricht

Viele Themen, die im Geographieunterricht behandelt werden, wie z. B. „Stadtplanungsprozesse“, „Probleme der Entwicklungsländer“ oder die „Grenzen Europas“, haben eine politische Komponente, welche bisher aber nur selten untersucht wurde. Uns interessiert die Offenlegung der politischen Dimension des Geographieunterrichts in aktueller und historischer Perspektive. In diesem Zusammenhang hat Prof. Dr. Budke bereits die Ideologische Erziehung im Geographieunterricht der DDR untersucht.
In seinem Dissertationsvorhaben untersucht Veit Maier die Planung im Geographieunterricht, welche als aktive Zukunftsgestaltung durch SchülerInnen von großer Bedeutung ist. In diesem Kontext werden die Implementierungen von Planungsaufgaben in deutschen und britischen Geographieschulbüchern sowie die Planungsfähigkeiten von SchülerInnen analysiert.

 

Inklusion im Geographieunterricht

Bildungsvergleichsstudien (PISA, IGLU u.a.) und Qualitätsprüfungen an Schulen zeigen den hohen Entwicklungsbedarf aller Fächer im Bereich der individuellen Förderung auf. Das bildungspolitisch gesetzte Ziel, den gemeinsamen Unterricht von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Sonderförderbedarf an allen Schulformen zu erweitern (UN-Behindertenrechtskonvention zu Inklusion), erfordert eine erhöhte Sensibilisierung aller Fachlehrkräfte für die Heterogenität ihrer Lerngruppen. Stephan Langer untersucht in seinem Dissertationsprojekt "Auf dem Weg zu Inklusion im Geographieunterricht? – Heterogenität von SchülerInnen in Wahrnehmungs- und Handlungsmustern von GeographielehrerInnen" die durch subjektive Theorien beeinflusste Wahrnehmung von Heterogenität und das daraus resultierende unterrichtliche Handeln von GeographielehrerInnen. Im Sinne eines Mixed-Methods-Forschungsdesigns werden dabei sowohl qualitative als auch quantitative Methoden der empirischen Unterrichtsforschung im Rahmen von Befragungen und Unterrichtsbeobachtungen angewendet.